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19. Juni 2018Egal wo ich hin komme, hier in der Gegend und auch weiter entfernt, wenn man Oberharmersbach kennt – oder zumindest schon mal etwas von diesem Dorf gehört hat – dann erinnert man sich in erster Linie einmal an die rührigen und einfach tollen Ideen der Menschen, die in diesem Ort am Ende eines langen Schwarzwaldtales leben.
Eine dieser Menschen, die ihr Heimatdorf liebt und das zeigen mag, was unser Dorf und seine Geschichte aus macht, ist Michaela Neuberger, kurz „Micha“. Mittlerweile trägt sie einen Künsternamen: „Cäcilia Hug“ 🙂
Micha hatte vor vielen Jahren die Idee, Geschichten, die die Alten einst im und übers Tal erzählten, vorzutragen – ins Leben zu erwecken, damit sie nicht vergessen werden.
Mit Hilfe der Wirtsleut vom Schwarzwälder Hof und ein paar Freundinnen entstanden so die Erlebniswanderungen „Was die Alten einst über Sympathiedoktoren erzählten“, „Was die Alten einst erzählten“ (Totensagen – die hab ich auch schon erlebt…schaurig schön!) und „Was die Alten einst über Hexen glaubten und erzählten“.
Vergangenen Donnerstag habe ich mich nun zu Michas neuestem „Kind“ angemeldet: Märchen, Mythos und Heilkraft von Bäumen und Pflanzen.
Startpunkt war um 19 Uhr beim Schwarzwälder Hof und „Cäcilia“, in der Kleidung einer alten Bäuerin aus dem Tal und ausgestattet mit Leiterwagen und Tragekorb, stoppte schon nach 20 Metern vor dem ersten Heilkraut…
…der Himbeere. Die Frucht der hellen Himbeere schmeckt nicht nur gut und ist gesund, sondern auch die Blätter des Strauches ergeben einen wohlschmeckenden Tee, der sehr gut bei Heiserkeit und Erkältungskrankheiten hilft, erzählte uns Cäcilia.
Gleich geht es weiter unter einen wunderbar vollhängenden Apfelbaum…
…mit ihrer einmaligen Gestik und der beeindruckenden Stimme erzählt uns Micha allerlei Neues über die Heilkraft dieses wundervollen Baumes und seiner Früchte. Begeistert waren wir dabei am meisten von ihrem Tipp der „Apfelmolke“ – das Rezept für diesen Gesundheitsdrink hat sie später allen Teilnehmerinnen ausgeteilt.
Dass der Apfel eine große Heilkraft besitzt hat uns früher immer schon meine Oma erzählt und uns Kindern jeden Abend Äpfel geschält, damit wir gesund bleiben. Doch Cäcilia wusste noch viel mehr über den Baum und seine Frucht und mir war klar, diese Wanderung wird etwas besonderes.
Cäcilia schnappte sich Ihren Leiterwagen, ich war ja schon gespannt, was sie da noch alles hervor zaubern würde, und wir marschierten weiter über die grüne Wiese unter einen wunderschönen alten Birkenbaum…
Dass die Birke besondere Kräfte zur Heilung hat, wusste ich natürlich auch schon. Von wem? Na, von Oma! 🙂
Aber Micha erzählte uns amüsante und beeindruckende Geschichten über die Birke als Hilfsmittel bei mangelnder Manneskraft und dass man ihre Rinde als Zunder verwenden kann…
Aber noch etwas Feines hat die Birke für uns Menschen in sich und dafür griff Cäcilia zum ersten Mal in ihren Leiterwagen. Sie verteilte Trinkgläser an uns und wir durften den wohlschmeckenden Birkensaft probieren, den sie für uns mitgebracht hatte…
…dieser hier besteht aus 91 % Birkensaft, abgeschmeckt mit Pfefferminze und Glukosesirup. War der lecker!!! Und gut getan hat der Saft – Danke Micha!
Cäcilia lies ihren Leiterwagen stehen, packte sich ihren Tragekorb auf den Rücken und wir wanderten weiter zur großen Sitzbank am Ortseingang von Oberharmersbach…
Auf der angrenzenden Blumenwiese pflückte Cäcilia ein Wiesenklee, auch Rotklee genannt, und erzählte uns, dass dieses kleine Pflänzchen weit mehr als ein Glücksbringer ist. Mit den Blüten kann man allerlei wohlschmeckende Lebensmittel zu bereiten, dekorieren, abschmecken – darunter ein besonders feiner Likör. Den hatte Cäcilia natürlich dabei! Jeder von uns bekam ein kleines Schapsgläsle, das er für den Rest der Wanderung behalten sollte, Cäcilia zauberte aus ihrem Korb eine Flasche und schenkte uns diesen süß duftenden Met ein, der genauso schmeckt, wie wenn man die roten Blüten des Klees in den Fingern zerreibt…
Wieder gestärkt ging es über die Straße ins schöne Jedensbachtal. Dort, unter dem Domesefle-Hof, findet man große Flächen von Mädesüß und das auch nur, weil die Wiesen in diesem Tal nur einmal im Jahr abgemäht werden…
Bis in ca. 2 Wochen blüht der Mädesüß, erklärt uns Micha, und man kann den Duft nach Mandeln der Blüten schon von weitem riechen. Etwas weiter hinten im Tal, am Bach entlang, fanden wir dann sogar schon den blühenden Mädesüß…
Vorbei am ältesten Hof in Oberharmersbach, dem Jedensbachhof, wandern wir in das Tal hinein…
Unter einer Buche bleiben wir wieder stehen und Micha gibt uns einiges über Mythos und Heilkraft dieses Baumes preis, der nicht nur als Bauholz und zur Wärmebringung gut ist. Sie schenkt uns einen Bucheckernlikör ein…
Anschließend gehen wir ein kleines Stück des Weges zurück um dann links auf einem Pfad auf die Katzenhalde zu gelangen. Dort verschlägt uns erst einmal der Ausblick, und nicht der Kräuterduft, den Atem…
Michaela Neuberger ist in ihrem Element und wir stehen, bzw. sitzen auf einem Bänkle, unter einer Eiche…
Ja, die Eiche hat allerhand Kräfte und man sagt ihr auch Zauberkräfte voraus. Micha liest uns eine wundervolle Geschichte über einen Bauern, den Teufel und die Eiche vor…
…und natürlich gibt es ein Happy-End, das ich Euch nicht erzählen werde, denn Ihr sollt die Wanderung ja selbst einmal mitmachen. 🙂
Die Katzenhalde hinunter gewandert, halten wir im Dorf unter einem mächtigen Nussbaum auf einer Wiese…
Dort schenkt uns Micha den letzten ihrer mitgebrachten Liköre ein. Ein Nusslikör! Und die Heilkraft, die mir beim Nussbaum sofort hängen geblieben ist, ist die Heilkraft des Blattes vom Baum. Ein Blatt in den Strumpf gesteckt, vor anstrengender Wanderung oder viel laufender und stehender Arbeiten, lässt die Füße nicht so schnell ermüden. Ich werde es ausprobieren!
Der Nussbaum war die letzte Station dieser, mich beeindruckenden Wanderung. Eine tolle Möglichkeit, die Natur zu entdecken und vor allem hat Michaela wunderschöne Plätze für unsere Stopps ausgesucht. Immer wieder musste man nicht nur über die Bäume und Pflanzen staunen, sondern auch über die einmaligen Aussichten im Hintergrund…
Und wie bei fast allen ihren Wanderungen gehen wir zum Abschluss zurück an den Startpunkt und kehren im Schwarzwälder Hof ein. Dort wartet eine kleine Überraschung auf uns…
Micha alias Cäcilia erzählt uns eine letzte Geschichte: Das Märchen von der Brennnessel und dem Spitzwegerich. Und anschließend werden uns zwei heiße köstliche Suppen kredenzt, die uns gut tun werden, denn die Liköre hatten es in sich und manche von uns (ich auf jeden Fall!) waren doch leicht beschwipst…
Mir hat die Spitzwegerichsuppe am besten geschmeckt, aber die Brennnesselsuppe war auch sehr lecker, und spät gegen 22 Uhr gingen wir alle bekräutert, mystisch und beseelt nach Hause.
Wenn Ihr mehr über Michas Welt und ihre Wanderungen und Erzählabende wissen wollt, besucht ihre Internetseite und reserviert Euch einen Platz. Es lohnt sich! Immer!
Viel Spaß und Danke an Michaela! Du machst das klasse – findet…
schwarzwaldlieb